Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich zum 1. HJ 2012 nur leicht gestiegen

8. November 2012

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen ist lt. KSV 1870 zum 1. HJ 2012 im Jahresvergleich um 1,9% auf 3.052 Fälle angestiegen. Für das Jahr 2012 wird aufgrund der stabilen wirtschaftlichen Lage eine ähnliche Gesamtanzahl wie in 2011 erwartet. Im 1. HJ. 2012 waren mangels Masse nicht eröffnete Insolvenzverfahren mit -7,7% rückläufig, die eröffneten Insolvenzen stiegen hingegen um 9,6% auf 1.816 Fälle an. Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten wuchsen um 16,7% von 1,2 Mrd. EUR auf 1,4 Mrd. EUR.

Zu den größten Insolvenzen im 1. HJ 2012 zählten lt. KSV 1870 der Wiener Gashändler CE Gas Marketing & Trading GmbH (Passiva MEUR 127,0), die steirische Kappa Thermenbeteiligung GmbH (MEUR 55,6), der Kärntner Metallgroßhändler ALPOS Handelsgesellschaft mbH (MEUR 51,0), die Bioenergie Burgenland Service GesmbH (MEUR 36,6) und die M-Oil Trading GmbH (MEUR 35,8).

Seit ihren Höchstständen in den Krisenjahren 2009 und 2010 konnten durch die positive Konjunktur sowohl die Anzahl der österreichischen Insolvenzfälle (-7,6% in 2010, -8,0% in 2011) als auch die Passiva (-41,0% in 2011) auf ein mit dem Jahr 2007 vergleichbares Niveau gesenkt werden. In 2010 ist der Anstieg der Insolvenzverbindlichkeiten von EUR 4,7 Mrd. vor allem durch die A-TEC Gruppe (EUR 1,2 Mrd.) und die AvW-Gruppe (MEUR 291,1) stark nach oben beeinflusst.

Während lt. KSV 1870 und Cerved Group die Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa insgesamt mit +0,5% in 2011 stabil blieben, konnten nur die wirtschaftlich erfolgreicheren Länder Dänemark, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Norwegen und Schweden die Anzahl der Insolvenzfälle reduzieren. Dagegen spiegeln die Zuwächse in Griechenland (+27,3%), Spanien (+20,1%), Portugal (+18,1%) oder Italien (+8,2%) die schwierige wirtschaftliche Lage der Unternehmen in den von der Staatsschuldenkrise betroffenen Ländern wider. In Osteuropa stiegen die Insolvenzfälle in 2011 insgesamt um 24,6%, wobei die Entwicklung in Ungarn (+77,5%), Bulgarien (+69,4%) und Slowenien (+43,3%) besonders drastisch ausfiel.

Trotz der generell positiven Entwicklung in Österreich sind auch viele heimische Unternehmen von Zahlungsschwierigkeiten ihrer Töchter bzw. Geschäftspartner zB in Osteuropa betroffen. Die in den letzten Jahren von Deloitte betreuten Restrukturierungs- und Sanierungsfälle zeigen jedoch deutlich, dass eine realistische Planung inklusive laufendem Monitoring und die kontinuierliche Aktualisierung sowohl für die Geschäftsführung als auch für die Eigentümer und Banken die beste Grundlage zur Vermeidung von Unternehmensinsolvenzen darstellen. Die Fokussierung auf die geplanten Zahlungsströme erlaubt dem Management positive Entwicklungen abzuschätzen und auf negative Veränderungen reagieren zu können, sodass mögliche Liquiditätsengpässe rechtzeitig erkannt und gelöst werden können.

Bernhard Hudernik, Partner Financial Advisory Services, geht davon aus, dass aufgrund der Schuldenkrise der EU-Staaten größere staatliche Konjunkturpakete als unmittelbare Wachstumsimpulse ausbleiben werden. Aufgrund der aktuellen Unsicherheit, der Zurückhaltung bei den Investitionen und einer im optimistischen Fall konjunkturellen Seitwärts- bzw. leichten Aufwärtsentwicklung wird ein konsequentes Liquiditätsmanagement auch in den nächsten Jahren eines der Top-Themen österreichischer Unternehmen bleiben.

 

Mag. Thomas Lahmer
tlahmer@deloitte.at
Tel: +43 1 537 00 2722

 

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