Bilanzierung von Earn Out Klauseln nach IFRS 3

9. August 2011 Kommentieren Kommentare Kategorien: Transaction Services

Im Rahmen von Unternehmenserwerben werden neben fixen Kaufpreisen häufig auch variable Kaufpreisbestandteile vereinbart (Earn Out Klauseln).

Mit der Anfang 2008 im Rahmen des Projekts „Business Combinations – Phase II“ veröffentlichten Neufassung von IFRS 3 Unternehmenszusammenschlüsse wurde die Bilanzierung von Earn Out Klauseln in den internationalen Rechnungslegungsvorschriften grundlegend geändert.

Nach den früheren Regelungen waren bedingte Kaufpreiskomponenten im Zeitpunkt der Ersterfassung nur dann zu berücksichtigen, wenn eine Zahlung wahrscheinlich („more likely than not“) und verläßlich bestimmbar war. Bei späteren Änderungen wurden die Anschaffungskosten des Unternehmenserwerbs und damit auch der resultierende Goodwill an die tatsächliche Entwicklung (erfolgsneutral) angepasst.

Nach den Bestimmungen des IFRS 3(2008) sind bedingte Kaufpreisbestandteile unabhängig von der Wahrscheinlichkeit ihres Eintritts im Zeitpunkt der Ersterfassung mit ihrem jeweiligen beizulegenden Zeitwert (fair value) in die Anschaffungskosten einzubeziehen. Die Folgebewertung erfolgt ebenfalls zum fair value wobei die Erfassung dessen Veränderung von der Art der bedingten Gegenleistung abhängt:

  • Eigenkapitaltitel werden nicht neu bewertet, eine spätere Erfüllung wird als Kapitaltransaktion im Eigenkapital erfasst;
  • Finanzinstrumente werden zum beizulegenden Zeitwert in Übereinstimmung mit den jeweiligen Regeln des IAS 39 (Erfassung im Gewinn oder Verlust bzw. im sonstigen Ergebnis) erfasst;
  • Sonstige Vermögenswerte und Schulden werden entsprechend der jeweils relevanten Standards behandelt (idR IAS 37).

Bei Earn Out Klauseln werden idR finanzielle Verbindlichkeiten vorliegen, deren Veränderung gemäß IAS 39 erfolgswirksam über die Gewinn- und Verlustrechung zu erfassen ist. Weicht die tatsächliche Entwicklung von den ursprünglichen Annahmen ab, erfolgt somit idR nicht wie bisher eine erfolgsneutrale Anpassung des Firmenwerts, die Änderung der Anschaffungskosten wird vielmehr erfolgswirksam über die Gewinn- und Verlustrechnung erfasst.

Eine Ausnahme besteht lediglich für Anpassungen innerhalb von 12 Monaten nach dem Erwerbszeitpunkt, wenn bessere Erkenntnisse zu werterhellenden Informationen über die Verhältnisse zum Transaktionszeitpunkt führen. Diese führen zu einer Anpassung der Anschaffungskosten und damit des Goodwill.

Die derzeit geltenden Bestimmungen zur Bilanzierung von Earn Out Klauseln erhöhen somit im Vergleich zur Altregelung die Volatilität der Gewinn- und Verlustrechnung in den Folgeperioden nach Ersterfassung.

Gerald Vlk
gvlk@deloitte.at
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