Gestaltungsformen von Earn-Out-Zahlungen und Vor- und Nachteile für Käufer und Verkäufer (Teil 2)

Im Rahmen einer Earn-Out-Klausel werden zuzüglich zu einem fixen Basispreis zeitlich verzögerte Kaufpreiszahlungen innerhalb einer vordefinierten Earn-Out-Periode auf Basis bestimmter Messgrößen vereinbart. Earn-Out-Zahlungen können entweder jährlich oder als Einmalzahlung am Ende der gesamten Earn-Out-Periode erfolgen. Grundsätzlich obliegt die konkrete Ausgestaltung der Konditionen sowie der Höhe der Earn-Out-Zahlungen den Vertragspartnern; folgende Varianten sind denkbar:

a)      Kumulativer Standard:
Der zu erreichende Schwellenwert wird kumulativ über die gesamte Earn-Out-Periode ermittelt (z.B. gesamter, in der Earn-Out-Periode zu erzielender Jahresüberschuss). Auf Basis des Zielwerts und des erreichten Werts werden infolge die Earn-Out-Zahlungen am Ende der Earn-Out-Periode bemessen und als Einmalzahlung an den Verkäufer geleistet. Aufgrund der kumulativen Betrachtung können sich Ergebnisschwankungen innerhalb der Earn-Out-Periode somit ausgleichen.

b)      Fester Standard:
Es erfolgt jährlich eine gesonderte Berechnung der Earn-Out-Zahlungen für die jeweiligen Geschäftsjahre durch Gegenüberstellung eines festen Zielwerts mit dem erreichten Wert. Earn-Out-Zahlungen werden jährlich geleistet. Unterliegt die Bemessungsgrundlage der Earn-Out-Zahlungen großen Schwankungen, kann es in einem Jahr zu sehr hohen, im nächsten zu keinen Earn-Out-Zahlungen kommen.

c)      Variabler Standard:
Der jährlich zu erreichende Zielwert verändert sich im Zeitablauf. Beispielsweise kann innerhalb der Earn-Out-Periode ein stetiges Wachstum des Schwellenwerts unterstellt werden, oder der jährliche Schwellenwert auf Basis der bisher höchsten erreichten Messgröße festgesetzt werden. Die Bemessung und Auszahlung der Earn-Out-Zahlungen erfolgt bei dieser Variante jährlich und gesondert für die jeweiligen Geschäftsjahre.

Vorteile und Nachteile für Verkäufer und Käufer

Mögliche Vorteile für den Verkäufer:

  • Der Verkäufer hat die Möglichkeit, auch an unvorhergesehenen positiven Marktentwicklungen innerhalb des Earn-Out-Zeitraums zu partizipieren.

Mögliche Nachteile für den Verkäufer:

  • Der tatsächlich zu erzielende Kaufpreis ist vom Zukunftserfolg des Unternehmens abhängig; durch den Übergang der Verfügungsmacht im Rahmen des Unternehmensverkaufs verliert der Verkäufer jedoch seine wirtschaftliche Einflussmöglichkeit auf das Unternehmen. Dies gilt es auch bei der Festlegung des Earn-Out-Zeitraums zu berücksichtigen.
  • Etwaige Liquiditätsprobleme des Käufers können dazu führen, dass nachträgliche Earn-Out-Zahlungen nicht geleistet werden können. Eine Besicherung der Ansprüche aus den Earn-Out-Zahlungen durch dingliche Sicherheiten, Patronatserklärungen, Bankgarantien etc. kann hierbei das Risiko des Verkäufers verringern.

Mögliche Vorteile für den Käufer:

  • Da der variable Kaufpreisbestandteil bei Earn-Out-Klausel erst zeitverzögert nach dem eigentlichen Closing geleistet werden muss, ergibt sich hieraus ein zusätzlicher (positiver) Finanzierungseffekt für den Käufer. Ebenso besteht die Möglichkeit, den variablen Bestandteil des Kaufpreises teilweise durch die bereits erwirtschafteten Cashflows aus dem erworbenen Unternehmen abzudecken.

Mögliche Nachteile für den Käufer:

  • Earn-Out-Vereinbarungen können den Spielraum des Käufers hinsichtlich der Umgliederung bzw. Eingliederung des erworbenen Unternehmens in den Konzernverbund einschränken.
  • Die Partizipation des Verkäufers am Unternehmenserfolg innerhalb des Earn-Out-Zeitraums kann zur Aufschiebung geplanter Erweiterungsinvestitionen führen, welche die für die Earn-Out-Zahlungen maßgebliche Erfolgsgröße auf Kosten des Käufers zugunsten des Verkäufers beeinflussen würden. Bemessen sich die Earn-Out-Zahlungen beispielsweise am Umsatzerlös, erschwert dies die Umsetzung einer auf Marktanteilsgewinnung ausgerichteten Konzernpolitik. Zudem müssen etwaige Synergieeffekte des Käufers mit dem Verkäufer „geteilt“ werden. Es empfiehlt sich daher, die Earn-Out-Periode in einem engen zeitlichen Rahmen zu halten.

 

Quellen:

L.  Hölscher, A. Nestler, R. Otto:  Handbuch Financial Due Dilligence, 1. Auflage 2007, WILEY-VC H Verlag

J. Brüser: Unternehmensnachfolge, 1 . Auflage 2007, Cornelsen Verlag

S. Ihlau, S. Gödecke:  Earn-Out-Klauseln als Instrument für die erfolgreiche Umsetzung von Unternehmenstransaktionen, BetriebsBerater, 65. Jahrgang, 15.03.2010, S. 687-691

M. Hildgard: Earn-Out-Klauseln beim Unternehmenskauf, BetriebsBerater, 65. Jahrgang, 22.11.2010, S. 2912-2919

MMag. Viktoria Brückl
vbrueckl@deloitte.at

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